Pfarrer Klaus Künhaupt stellt sich vor.

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Mein Name ist Klaus Künhaupt, verheiratet mit der Apothekerin Susanne, unsere Kinder Johanna und Paul sind Zwillinge, 21 Jahre alt und studieren Chemie in Aachen (er) und Medizin in Frankfurt (sie).

Geboren wurde ich am 16.8.1970 im Klinikum Essen und wuchs mit meinen drei älteren Schwestern in Essen-Steele-Horst auf. Mein Vater Kurt Künhaupt war Pfarrer an der Zionskirche, meine Mutter war klassische Pfarrfrau: Frauenhilfe, Mütterkreis… In der Frauenhilfe war sie auch übergemeindlich sehr aktiv: Lange war sie Kreisverbandsvorsitzende und einige Jahre sogar Bundesvorsitzende.

Auch für mich wurde die evangelische Kirche die erste große Liebe meines Lebens. Kindergottesdienst, Kinderchor, Jungschar…Nach der Konfirmation wurde ich gleich Kindergottesdiensthelfer. Später versuchte ich, eine Umweltgruppe auf die Beine zu stellen. Jedes zweite Jahr ging es auf den Kirchentag usw.

Nach dem Abitur auf dem Gymnasium an der Wolfskuhle in Steele leistete ich einen wunderbaren Zivildienst in der Evangelischen Akademie Mülheim/Ruhr, mancher erinnert sich vielleicht noch an die schöne Unternehmervilla in Uhlenhorst.

Danach studierte ich zunächst Islamwissenschaft in Hamburg. Ich wollte zur Verständigung von Christentum und Islam beitragen. Aber: Ich war sehr unzufrieden mit dem Studium und erkannte, dass es mich nicht dorthin führte, wohin ich gewollt hatte. Das war eine Phase großer Orientierungslosigkeit. Ich hatte zwei Studentenjobs und studierte kaum noch.

Dann starb mein Vater. Das veränderte viel in mir. Erstens musste ich erkennen, dass es Zeit wurde, endlich erwachsen zu werden. Zweitens bewegten mich die Fragen von Tod und Leben jetzt viel mehr als früher. Ich spürte, wie sehr mich der Glaube trug, den mein Vater immer gepredigt hatte. Die Trauerfeier hielt Klaus Gillert. Er war nicht nur Superintendent des damaligen Kirchenkreises Essen-Süd, sondern auch ein guter Freund meines Vaters (darum auch mein Patenonkel). Nicht nur die Predigt, sondern auch die Lieder und die geprägte Sprache am Grab haben mich sehr getröstet, vor allem in der Nachwirkung. Noch heute ist diese Beerdigung bei allen meinen Trauerfeiern Vorbild.

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In dieser Zeit lernte ich auch eine junge Frau kennen, Susanne, die mir viel bedeutete. Auch sie mochte mich, aber mit dem orientierungslosen Mitzwanziger tat sie sich schwer. Ihr gegenüber konnte ich erstmals formulieren: „Ich hätte Pfarrer werden sollen!“ Und sie sagte: „Dann mach’s doch!“. Und ich tat erstmals, was sich seither sehr bewährt hat: Ich hörte auf sie und fasste eine der besten Entscheidungen meines Lebens: Ich begann mit meinen mittlerweile 25 Jahren evangelische Theologie zu studieren. Nun allerdings zügig. 6 Semester noch in Hamburg, dann ging ich nach Essen zurück und ich pendelte nach Bochum und zur kirchlichen Hochschule Wuppertal. Susanne, inzwischen meine Frau, bekam Arbeit in der Nordsternapotheke Karnap. Darum wohnten wir auch im Norden, in Borbeck.

Nach 10 Semestern meldete ich mich zum Examen im September 2000 an. Ungefähr gleichzeitig meldeten sich aber zwei Menschen bei uns an: Meine Frau war schwanger, und es waren Zwillinge. Etwas zu früh und zu klein wurden sie am 27.Mai 2000 im Elisabethkrankenhaus geboren und Johanna und Paul genannt.

Im Oktober 2000 wurde ich Vikar in Essen Dellwig an der dortigen Friedenskirche und hatte als Mentor Thorsten Hertel. Inzwischen waren wir in eine fast neue Allbausiedlung in Dellwig gezogen (Ewald-Dutschke-Straße), und hofften sehr, dort auch nach dem zweiten Examen wohnen bleiben zu können. Aber: Man versetzte mich nach Moers, wo ich als Pfarrer zur Anstellung die stellvertretende Chefin des Kirchenkreises (Assessorin) Elke Voigt (heute Voss) entlasten sollte. So ging es also nach knapp 5 Jahren wieder weg aus Essen. Moers war eine gute Zeit, in der ich jede Menge Felder meines Berufs ausprobieren konnte. Altenheim, Krankenhaus, Väter-Kinder-Arbeit und schließlich das Moeser Jugendcamp der evangelischen Jugend im Rheinland, das ich mit vorbereiten konnte. Mit reichlich Erfahrung im Lebenslauf durfte ich mich nun auf die erste eigene Pfarrstelle bewerben, aber wurde wiederholt nicht genommen. Überall waren 60, 70, einmal sogar 85 Mitbewerber:innen. Es gab einfach viel zu wenig Pfarrstellen für zu viele BewerberInnen zu der Zeit. Im Oktober 2006 wurde ich arbeitslos. Finanziell hatten wir keine Sorgen. Meine Frau machte eine volle Stelle in Rheinhausen, ich machte den Haushalt. Das ging ganz gut, aber es machte mich ehrlich gesagt nicht sehr glücklich.

Schließlich wählte mich Anfang 2007 die Gemeinde Merzig im Norden des Saarlands zu ihrem Pfarrer. Voller Freude zogen wir damals nach Süden. 14 ½ Jahre waren wir jetzt dort. Eine sehr schöne Gegend, in der wir viel wandern und radfahren konnten. Wir fanden gute Freunde, unsere Kinder machten das Saarlandabitur und fühlen sich als Saarländer. Eine nette, kleine Kirche, die ich mit der Gemeinde umgestalten konnte- eine anspruchsvolle theologische Aufgabe! Ein einladendes Gemeindehaus, gute Beziehungen zu Landrätin und Bürgermeister und überhaupt: Gute Vernetzung. Wenn man sich im Saarland engagiert, lernt man irgendwann zwangsläufig auch die Landespolitiker kennen. So habe ich schon mit Annegret Kramp-Karrenbauer und Tobias Hans auf dem Weihnachtsmarkt Glühwein zugunsten der Tafel Merzig verkauft und Bundeswirtschaftsminister Altmaier in unserem Gemeindehaus begrüßt. Also: Eine gute Zeit. Und vielleicht wären wir für immer geblieben. Da passierte es. Johanna und Paul packten ihre Sachen und zogen in die große, weite Welt hinaus. Und Susanne und ich blickten uns an und fragten: Bleiben wir eigentlich hier?

Nein, auch wir könnten uns Veränderung nochmal vorstellen. Wieder Großstadt. Mit Familie in der Nähe. Und für mich beruflich: Mal eine große Kirche mit hervorragender Kirchenmusik, denn singen im Chor und musizieren war immer schon Susannes und mein Hobby. Ich begann, mich umzuhören und zu bewerben.

Eins war aber immer klar: Diesmal suchen wir aus. Es wird keineswegs wie 2007. Wir dürfen bestimmen, ob es passt. Zu zwei Stellen, auf die ich mich beworben hatte, sagte ich dann auch nein, denn es passte nicht.

Aber Erlöserkirchengemeinde Holsterhausen, das passte vom ersten Moment an. Bis heute müsste ich das erste „Krümmelken im Käs“ noch finden. Die Vorstellungsgespräche: Sympathisch, obwohl über Zoom. Die persönlichen Begegnungen, die trotz Corona möglich waren: Wertschätzend und fröhlich. Schließlich die Probepredigt in jener Kirche, vor der ich schon als Jugendlicher stand und dachte: „Kaum zu glauben, dass diese prachtvolle Kirche unsere ist!“. Meine Frau und meine Tochter waren mit, wurden auf das wärmste willkommen geheißen und fühlten sich pudelwohl. Da waren viele freundliche Gesichter. Welche, die ich schon lange kannte, und die überraschend gekommen waren, weil sie von unseren Plänen gehört hatten und welche, die ich bis jetzt noch nicht kenne, aber bald kennen möchte. Als wir dann mittags mit alten Freunden beim Griechen in der Hedwigstraße saßen, fühlte ich: Es ist alles vollkommen richtig.

Nun hat mich das Presbyterium einstimmig gewählt, meine Frau hat eine neue (alte) Stelle in Karnap, die Kinder finden in unserem neuen Haus ein eigenes Kinderzimmer, wenn sie vom Studienort kommen. Wir hoffen sehr, dass sie das dann auch bald als Zuhause empfinden.

Welche Pläne habe ich in Ihrer Gemeinde? Ich wechsele, weil ich was Neues anpacken will. Und dazu habe ich viele Ideen. Aber: ich möchte erstmal ankommen, Gemeinde und Mitarbeitende kennen lernen. Manches, was im Kopf schwirrt, entspricht vielleicht gar nicht den Realtäten. Anderes sehe ich noch gar nicht. Und ganz sicher wird das Leben und die Gemeindearbeit nach Corona anders sein als vorher. Ich merke das in meiner gegenwärtigen Gemeinde gerade sehr, und denke das wird auch bei Ihnen nicht anders sein: Mancher Motor, der 1 ½ Jahre gestanden hat, springt jetzt nicht wieder an…

Und sehr wichtig ist auch folgende Tatsache: Ich bin nicht so ohne Weiteres der Nachfolger von Bernd Zielezinski. Im Herbst 2022 wird Herr Greifenberg in Pension gehen und dann machen Frau Seim und ich zu zweit weiter. Wir beide werden dann Nachfolger und Nachfolgerin einer 3 Pfarrstellen-Gemeinde sein müssen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das gemeinsam mit Ihnen gut entwickeln werden. Aber in Ruhe. Dazu also in den nächsten Monaten mehr an dieser Stelle.

Übrigens habe ich während des letzten Corona-Lockdowns angefangen, regelmäßig einen Podcast aufzunehmen. Podcasts sind Audiodateien, die man sich im Internet runterladen kann. Meiner heißt  „Bibelgeschichten Kuen erzaehlt“. Vielleicht interessiert es sie ja. Hier finden Sie ihn.